Kleines Früchtchen, große Familie

Ob Kriecherl, Kirschpflaume, Ringlotte, Mirabelle – die große Familie der Pflaumen beschert im Sommer eine reiche Ernte. Im September feiert das Waldviertel das Kriecherl!

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Das Kriecherl gehört zur Prunus-Familie. Die Sorten sind schwer voneinander zu unterscheiden.

Im südlichen Niederösterreich duftet es bereits im Juli vielerorts nach fruchtig-süßen "Kriachal": Erntezeit! Die unauffälligen Gehölze sind in verwilderten Gärten oder am Wegrand zu finden. Im Waldviertel gehört das gelbe Kriecherl seit Jahrhunderten zu den sogenannten Hausbäumen.

Das Kriecherl ist wohl die einzige waschechte Österreicherin unter den heimischen Obstarten. Lange wurde das Kriecherl in der Küche sehr geschätzt. Es gibt viele überlieferte Rezepte von Marmeladen, Röster und Kompott. Bekannt sind auch Kriecherlbrand und Likör. Heutzutage finden die kleinen, runden Früchte in der Küche meistens wenig Beachtung – völlig zu Unrecht!

Prunusarten unterscheiden - ein Versuch

Die Wildobstart, die je nach Region auch Reineclaude, Ringlotte oder Pflaumenkirsche genannt wird, zählt zu den ältesten mitteleuropäischen Kulturpflanzen. Aufgekommen ist sie vor ungefähr 6.000 Jahren im Südmährischen, Weinviertler Raum.  Da sich die Prunus-Arten leicht genetisch vermischen, ist eine Abgrenzung schwierig.

  • Kriecherln sind kugelrund, 1,5-3 cm groß. Haut ist bereift, grün, gelb, rot oder blau gefärbt. Sie schmeckt sauer, das gelb bis orange gefärbte Fruchtfleisch süß. Es lässt sich schlecht vom Kern lösen (schlecht Stein lösend).
  • Mirabellen sind kugelrund, 3-5 cm groß. Schale ist orange bis rötlich-gelb, oft mit roten Wangen oder Pünktchen. Fruchtfleisch ist fest, gut Stein lösend und schmeckt sehr süß bis süß-säuerlich
  • Reineclaude/Renekloden sind kugelrund, 3-5 cm groß. Haut ist grün-gelblich bis rötlich schimmernd, das Fruchtfleisch grünlich-weiß. Schlecht Stein lösend.
  • Ringlotten sind rundlich, 3-7 cm groß. Schale ist grün-gelb, rot-orange oder blau gefärbt. Die großen Früchte haben ein grünlich-weißes, aromatisches und meist süßes Fruchtfleisch.
  • Pflaumen sind rund bis oval, 3-6 cm groß, Schale ist glatt und von gelb-rötlich über blau bis violett gefärbt und weist eine deutliche Kernnaht auf. Fruchtfleisch ist weichfleischig, gelb bis bräunlich orange, schlecht Stein lösend. Sie reifen vor den Zwetschken.
  • Zwetschken sind länglich-eiförmig und verjüngen sich zu den Enden hin, 4-8 cm lang. Die Schale ist bereift, rötlich-violett, blau bis blauschwarz gefärbt. Fruchtfleisch ist saftig, grüngelb bis rötlich-braun und süß-säuerlich im Geschmack.

Kriecherln verarbeiten

Das Kriecherl zu verarbeiten lohnt sich - nicht nur geschmacklich. Alle Vertreter der Pflaumenfamilie sind reich an Kalium (wirkt entwässernd), Kalzium, Eisen, Vitaminen und darmregulierenden, verdauungsfördernden Ballaststoffen.

Da sich der Kern schwer vom Fruchtfleisch löst, empfiehlt es sich, die Früchte nach dem Waschen mit etwas Wasser kurz aufzukochen und sie danach durch die Flotte Lotte bzw. ein grobes Sieb zu reiben. Die so gewonnene Flüssigkeit lässt sich gut zu Saft, Sirup oder Gelee, das Fruchtfleisch zu Marmelade oder Kompott weiterverarbeiten. Unser Tipp: Im Selbstversuch hat sich gezeigt, dass Kriecherl mit Rosmarin harmoniert, einfach probieren!

Zeitsparend ernten

Wenn man im Hochsommer ein altes Leintuch unter das Bäumchen spannt und den Stamm bzw. die Äste vorsichtig schüttelt, kann man mit einer hohen Ausbeute rechnen. Wer keinen eigenen Baum hat, findet das Wildobst auf Märkten oder auch vielerorts frei wachsend und für alle zugänglich an Wegrändern und in Parks. Obstbäume, die von jedem beerntet werden dürfen, finden Sie auch unter mundraub.org.

Kriecherl - Die gelbe Perle des Waldviertels

Der Verein GenussRegion Waldviertler Kriecherl hat sich dem Erhalt und der Förderung des gelben Kriecherls verschrieben. Durch das gebietstypische Klima und die Geologie entstand die charakteristische gelbe Variante, eine genetische Sonderform. Manch ungeübtes Auge verwechselt das berühmte Kriecherl mit der unreifen Kirschpflaume, es ist jedoch eine eigenständige Sorte.

Das Besondere am Waldviertler Kriecherl ist nicht nur die vielseitige Produktpalette, sondern auch die lange Tradition. Im Laufe der Zeit ist das Kriecherl zu einer waschechten Waldviertler Spezialität herangewachsen. Am Waldviertler Kriecherlkirtag (Ende September) und bei der Veranstaltung „Kriecherl brennt“ (Oktober) können Sie Köstlichkeiten des Kriecherls erkunden.

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