Monatsthema Spezial - Erntedank und Weinherbst

Dieses Monat widmet sich "So schmeckt Niederösterreich" speziell dem Thema "Erntedank und Weinherbst".

Der Herbst ist eine schöne Jahreszeit: Es ist beeindruckend, dem wunderbaren Schauspiel der Natur zuzusehen. Außerdem werden zu dieser Zeit des Jahres die Bäuerinnen und Bauern durch die Ernte für ihre Mühen belohnt.

Nachfolgend finden Sie unterschiedlichste Informationen und wertvolle Tipps rund um das Thema "Erntedank und Weinherbst".

Viel Spaß beim Gustieren!


8 Wissenspunkte zum Monatsthema erfahren

 

Expertentipp zum Monatsthema lesen

Geschichtliches

Der Ursprung des Erntedankfests reicht bis in die vorchristliche Zeit zurück. In Mittel- und Nordeuropa wurde Erntedank zur Tagundnachtgleiche, am 23. September, mit einem Dankopfer gefeiert. Ähnliche Riten gab es in Israel, Griechenland oder im Römischen Reich. Im Judentum gab und gibt es das Wochenfest, nach Beginn der Ernte und das Laubhüttenfest, im Herbst am Ende der Lese.

In der Kirche ist ein Erntedankfest seit dem 3. Jahrhundert belegt, allerdings kein weltweit verbreiteter einheitlicher Festtermin. Bei Christen wird am Ende des bäuerlichen Arbeitsjahres, wenn die Ernte eingefahren wird, das Erntedankfest gefeitert. Allerdings fehlt ein weltweit verbreiteter einheitlicher Festtermin, weil ja der Erntezeitpunkt je nach klimatischen Bedingungen ganz unterschiedlich fällt. In unseren Breiten ist es oft der letzte Sonntag im September oder der erste Sonntag im Oktober. Aber die Gemeinden sind nicht verpflichtet, dieses Fest zu feiern. Kirchlich-liturgisch gesehen ist das Erntedankfest ein eher junges Fest.

Eine weitere Wurzel des Erntedankfestes liegt in der früheren gesellschaftlichen Abhängigkeit vieler Landbewohner von ihren Lehensherren und Gutsherren. So war es zuallererst ein Dankfest der Leibeigenen, der unfreien Landbevölkerung und der Fronarbeiter an die Gutsbesitzer.

Hier zurück zur Übersicht

 

"Die Mahd"

© SarahC. / PIXELIO

Einer der Höhepunkte im ländlichen Jahresablauf war die sommerliche Getreideernte, die "Getreidemahd". Die Mahd bedeutete für die gesamte Bauernfamilie viel Arbeit in der Hitze, lediglich durch einen Strohhut gegen die Sonne geschützt, von Getreidehalmen und Gelsen zerstochen. Die Mahd bedeutete aber auch köstliche Jausen im Schatten des Waldrandes, draußen auf den Feldern. Bis weit ins 20. Jahrhundert wurde noch mit der Hand gemäht, mit Sensen und Sicheln. Die Mahd selbst war Männerarbeit, die restliche Familie kümmerte sich um das Aufstellen der zu Garben gebündelten langen Halme, die anschließend zu "Mandln" zusammengestellt wurden. Eine anstrengende, kräfteraubende Arbeit, wo selbst die Kinder mithelfen mussten. Umso mehr freute man sich auf die ausgiebigen Jausen, die gleich mit auf das Feld gebracht wurden, da eine Mahd erst beendet war, wenn ein Feld zur Gänze abgemäht war. In den Jausenkorb kamen ein Laib frischgebackenes Brot, ein schönes Stück gekochtes oder geselchtes Fleisch, manchmal ein Rexglas mit Leberpastete und hartgekochte Eier. Gelegentlich fand sich im Korb auch ein Stück Wurst. Zum Trinken gab es kühlen Malzkaffee und im Tonkrug einen mit Brunnenwasser verdünnten Most für die Erwachsenen.

Hier zurück zur Übersicht

 

Erntesegen reift nur bei Sonnenlicht heran

© Jens Bredehorn / PIXELIO

Nicht immer war der Wettergott wohl gesonnen und verschonte in der Erntezeit vor schweren Gewittern, sodass die geerntete und zum Trocknen aufgestellte Frucht nicht zu Schaden kam. Das Leben war – von der Aussaat und Ernte bis hin zu den Marktpreisen für Getreide und andere Grundnahrungsmittel – in besonderem Maße vom jeweiligen Wetter abhängig. Große Überschwemmungen waren dabei nur ein Faktor, der für Missernten, Preissteigerungen und im Extremfall für Hungersnöte verantwortlich war. Viel stärker wirkten sich Hagel, Winde, Hitze oder Dürre auf die Nahrungskette der Bauernfamilien aus. Dementsprechend gefährlich waren gerade die strengen Winter, die verregneten oder besonders heißen Sommer, aber auch Einzelereignisse wie Gewitter mit Hagel und Sturm. So unterschiedlich die Bedrohungen waren, eines blieb überall gleich: Am Ende einer langen Ernteperiode bedankten sich die Menschen mit dem Erntedankfest bei Gott für die Erde, ihre Früchte und für die Fülle an Nahrungsmitteln, die es bei ihnen gab. Damals wie heute soll das Erntedankfest zeigen, dass unser "täglich Brot" nicht alltäglich ist, sondern jedes Jahr aufs Neue hart erarbeitet werden muss – in Zeiten des Preisverfalls von Lebensmitteln wichtiger denn je.

Hier zurück zur Übersicht

 

Erntedankfest bei uns - Thanksgiving in Nordamerika

© S.-Flaisch / PIXELIO

Das Erntedankfest wird verschieden begangen. Bei der Feier, die oft in einer Kirche veranstaltet wird, werden Feldfrüchte, Getreide und andere, als Gaben bezeichnete Produkte, denen man eine besondere Naturnähe unterstellt (Mehl, Honig, Wein etc.) dekorativ aufgestellt. Eine aus Getreide oder Weinreben geflochtene „Erntekrone“ wird oft in einer Prozession durch das Gemeindegebiet getragen. In ländlichen volkskirchlichen Gemeinden kommen zu den Gottesdiensten zahlreiche Gemeindemitglieder zusammen. Die Erntegaben werden nach dem Fest häufig an Bedürftige in Obdachlosen- oder Asylbewerberheimen oder andere karitative Einrichtungen verteilt.

Nordamerika

Vergleichbare Feste gibt es in Nordamerika. In den USA wird der „Thanksgiving Day“ am vierten Donnerstag im November gefeiert und ist ein staatlicher Feiertag. Das Fest erinnert an das erste Erntedankfest der Pilgerväter. Traditionell wird dazu im Familienkreis ein Truthahn verspeist. Thanksgiving ist aber nicht einfach die amerikanische Version des Erntedankfestes, da Thanksgiving zumindest in den USA keinen religiösen Hintergrund hat.

In Kanada wird „Thanksgiving“ am zweiten Montag im Oktober gefeiert und entspricht tatsächlich eher dem europäischen Erntedankfest mit christlichem Hintergrund.

Hier zurück zur Übersicht

 

Erntekrone

© Ferdinand / PIXELIO

In früheren Zeiten war es üblich, auf den Bauernhöfen oder in den ländlichen Dorfgemeinschaften beim Erntefest aus Ähren große Erntekronen zu binden und auf dem Dorfplatz oder in der Kirche aufzustellen. Die Krone, Symbol der Macht, war gebunden auf den Kranz. Ohne Anfang und Ende steht er als Zeichen der Ewigkeit, der Unendlichkeit. Die Vielzahl der gebundenen Ähren, die die Krone bilden, erinnerten die Menschen an ihre Abhängigkeit und ihr Gebundensein an die Natur. Ohne eine gute Ernte, ohne die unter harter Arbeit eingefahrenen Naturgüter, war kein überleben im Winter möglich. So wurde die Macht der Natur im Symbol der Erntekrone dargestellt.

Hier zurück zur Übersicht

 

Erntedank zu Hause mit Kindern feiern

© BMLFUW / Newman

Ganze Ähren, frisch geerntetes Gemüse, knackiges Obst: Einmal im Jahr erinnern wir uns daran, dass unser reich gedeckter Tisch keine Selbstverständlichkeit ist. Wie wäre es mit einem schönen Erntedankfest zu Hause? So ein Fest ist auch ein guter Anlass, um den Kindern zu erklären, woher unsere Lebensmittel stammen.

Der Weg vom Korn zum Brot

Im Gegensatz zu früher sind unsere Regale und Teller immer gut gefüllt. Das Erntedankfest bietet eine gute Gelegenheit, den Kindern zu erklären, woher unser Essen kommt. Besonders eindrucksvoll gelingt dies, wenn Sie die Möglichkeit haben, sich beim Bauern einige Getreide-Ähren zu besorgen. Falls das nicht möglich ist, kaufen Sie in einem Naturkostladen ganze Getreidekörner, zum Beispiel Weizen und Roggen. Gemeinsam mit Ihren Kindern mahlen Sie die Körner nun mit einer Mühle oder einem Mörser zu Mehl. Alternativ eignet sich ein selbst gebauter Mörser aus zwei Steinen. Jetzt ist das weiße Mehl neben den Schalen des Getreidekorns deutlich zu sehen. Lassen Sie die Kinder probieren. Zum Vergleich stellen Sie gekauftes Mehl daneben.

Wer Lust hat, kann danach mit den Kindern Brot backen. Hier ein paar Rezepte. Wenn das Brot fertig gebacken ist, kommt es auf den Erntedanktisch und wird zusammen gegessen.

Hier zurück zur Übersicht

 

Weinherbst

© AGRAR PLUS

Niederösterreich ist Österreichs größtes Qualitätsweinbaugebiet. Unter seinem Namen vereint sich ein reichhaltiges Potenzial von Weinherkünften und Weinstilen heimischer Weinraritäten, aber auch internationaler Rebsorten. Die acht in Niederösterreich beheimateten spezifischen Weinbaugebiete, mit klingenden Namen wie Wachau, Kamptal, Kremstal, Traisental, Wagram, Weinviertel, Carnuntum oder Thermenregion lassen sich grob in drei Klimaräume einteilen: Das Weinviertel im Norden, den Donauraum westlich von Wien und das pannonische Niederösterreich im Südosten.

Im Spätsommer bzw im Herbst ist Lesezeit. Bereits Ende August beginnen die ersten Betriebe mit der Lese der Weitrauben für den Traubensaft und den Sturm. Ende September beginnt die Ernte der anderen Trauben und im Oktober ist Hauptlesezeit. Manche Trauben – zB die Spätlese – werden sogar noch im Dezember gelesen.

In den niederösterreichischen Weinbaugebieten wird der „Weinherbst“ gefeiert: Von Ende August bis Ende November steht der Wein im Mittelpunkt des Geschehens. Über 100 Gemeinden in ganz Niederösterreich nehmen am Weinherbst mit insgesamt über 800 Veranstaltungen teil. Bei den meisten Festen handelt es sich um authentische und gastfreundliche Feste der einheimischen Bevölkerung, die Tradition haben. Auf diese Art und Weise bleiben Brauchtümer erhalten und auch die Kulinarik kommt im Rahmen des Weinherbsts nicht zu kurz. Erntedankfeste, Weinlesefeste, Kellergassenfeste, Weinseminare, Bezirkswinzerfeste und die Eröffnung des 15. Weinherbsts machen den Weinherbst in Niederösterreich zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Hier zurück zur Übersicht

 

Erntedank- und Weinfeste in und rund um Niederösterreich

© weinfranz

 05. September: Weinlesefest in 2523 Tattendorf
 09. September: Bezirkswinzerfest in 2170 Poysdorf
 11. und 12. September: Erntedankfest in Wien am Heldenplatz
 23. Oktober: Abfischfest in 3454 Sitzenberg
 17. September: Auftakt Wildsaison, Genuss Region Lilienfelder-Voralpen Wild
 25. September: 2. Litschauer Erpfi-Grätzl-Festl in 3874 Litschau
 12. September: Erntedank der Winzer in 2552 Stratzing
 10. September: Weinherbsteröffnung im Traisental in 3141 Kapelln
 18. und 19. September: Kollmitzberger Kirtag in 3321 Ardagger
 25. und 26. September: Pielachtaler Dirndlkirtag in 3203 Rabenstein

Alle Feste auf einen Blick finden Sie unter www.weinherbst.at.

Hier zurück zur Übersicht

 

Expertentipp zum Monatsthema

© Astrid Bartl

Der Weinherbst Niederösterreich beginnt Ende August und ist die größte weintouristische Initiative Europas. Bei über 800 Veranstaltungen bis Ende November ist für jeden Geschmack etwas dabei. Kellergassenfeste, Weinlesen, Weinkulinarien, Jungweinverkostungen und vieles mehr stehen am Programm. Spezielle Weinherbst-Packages laden ein, die Weinbauregionen Niederösterreichs zu erkunden.  Die Carnuntum Experience (13. bis 29. August), das Weinlesefest in Retz (24. bis 26. September)  oder die Kamptaler Weinnacht (26. November) sind nur einige der vielen Höhepunkte des Veranstaltungsreigens.

Ing. Christoph Bauer - Obmann Weinstrasse Niederösterreich


Hier zurück zur Übersicht