Monatsthema Spezial: Klimafreundlich & Regional: Essen und das Klima schützen

© Sigrid Olsen / PhotoAlto

Essen ist Notwendigkeit, Kultur, Geselligkeit, vor allem aber Genuss. 65 Tonnen Lebensmittel verzehrt der Mensch rein rechnerisch in seinem Leben – 65 Tonnen, die ihre Folgen haben: Denn das, was wir essen, beeinflusst nicht nur Gesundheit und Leistungsfähigkeit, sondern auch Luft, Wasser, Boden und das Klima. In den Industrieländern werden etwa 20 % aller Treibhausgasemissionen durch den Bereich Ernährung verursacht. Durch eine klimafreundliche Ernährung nach dem Motto: „regional, saisonal, biologisch und fair“ kann aber jede und jeder von uns einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

6 Wissenspunkte zum Monatsthema:

• So gestalten Sie Ihre Ernährung ein Stück klimafreundlicher

• Überzeugen Sie sich von der klimafreundlichen Ernährung in der Klimaak-tionswoche

• Kurz gesagt: Die besten Tipps für einen klimafreundlichen Ernährungsstil

• Literatur-Tipp: „Klimaschutz am Teller“

• Rezepte für klimafreundlichen Genuss im Juni


Expertentipp zum Monatsthema lesen

Dipl. Päd. Petra Nemec, Ernährungsexpertin bei "die umweltberatung".

So gestalten Sie Ihre Ernährung ein Stück klimafreundlicher

© BMLFUW / Newman

Regional einkaufen spart Kilometer
Bei KonsumentInnen sind Sommergemüse wie Tomaten, Paprika oder Zucchini auch im Winter nach wie vor beliebt. Doch in puncto Klimaschutz kann man einen Speiseplan nach dem Motto „Alles zu jeder Zeit?“ hinterfragen. Grundsätzlich gilt: Je ferner das Herkunftsland, umso stärker sind nicht nur die ökologischen Auswirkungen, auch Geschmack und Nährstoffgehalt bleiben durch frühzeitige Ernte und lange Transportwege immer auf der Strecke.
Die Zahl der geleisteten Kilometer allein ist allerdings noch nicht aussagekräftig genug. Die Treibhausgasemissionen hängen natürlich auch von der Art des Verkehrsmittels, der Entfernung und der transportierten Menge ab. Der Transport kleiner Gütermengen mit kleinen Lieferwägen oder sogar dem PKW ist wenig effizient. Bahn-, LKW- und Schifftransporte sind deutlich weniger klimabelastend als Flugzeugtransporte. Mit dem Flugzeug werden vor allem leicht verderbliche Lebensmittel wie Obst und Gemüse, Kräuter und Fisch transportiert.

So nah – so gut
Laut einer Untersuchung der TU München haben regionale Produkte, die innerhalb der Region erzeugt und auch im Lebensmitteleinzelhandel in der Region angeboten werden, das Potential, Energie und Emissionen einzusparen. Mit dem Kauf regionaler Produkte unterstützen Sie außerdem die regionale Wirtschaft.

Einkauf auf zwei Rädern
Mit dem Auto in entlegenen Einkaufszentren einzukaufen ist Trend. Allerdings verschlechtern diese Einkaufsfahrten oder andere Kurzstreckenfahrten mit dem PKW die persönliche Klimabilanz erheblich! Nutzen Sie vor allem für kurze Strecken das Fahrrad (mit praktischem Radanhänger), öffentliche Verkehrsmittel oder gehen Sie einfach zu Fuß.
 
Saisonal = gute Wahl
Im Supermarkt gibt es im Jänner wie im August das gleiche Angebot: Weintrauben, Erdbeeren und Paradeiser sind auch im Winter erhältlich.
Dass die im beheizten Glashaus produzierten Paradeiser nicht wirklich sonnengereift schmecken, wird oft vergessen. Zum schlechten Geschmack kommen noch die Auswirkungen auf das Klima: Besonders die Heizung der Glashäuser in der kalten Jahreszeit wirkt negativ auf die Klimabilanz. Wenn zum Heizen fossile Energieträger verwendet werden, ist die Produktion bis zu 60-mal energieintensiver als im Freiland.

Eine an die Jahreszeiten angepasste Ernährungsweise hat auch ernährungsphysiologische Vorteile: Sogar im Winter hat Lagerware wie Kraut, Erdäpfel und Rüben einen hohen Vitamingehalt. Unreif geerntete, weit transportierte Ware kann da kaum mithalten. Saisonales Obst & Gemüse bietet eine geschmackvolle Abwechslung: Erdbeerzeit, Früchtesommer, Kürbisherbst und Winterkraut, da schmeckt man die Höhepunkte jeder Saison!

Frisch gekocht
Die Verarbeitung von Lebensmitteln in der Industrie verbraucht große Mengen an Energie. Die Nachfrage nach Convenience-Produkten steigt, da sich der Lebensalltag in den letzten Jahrzehnten stark geändert hat. Unter der Woche ist abends oft kaum mehr Zeit, zu kochen, immer öfter greifen KonsumentInnen zu halbfertigen Menüs oder Fertigprodukten. Keine Frage, manchmal sind Fertigprodukte praktisch. Doch mit dem Grad der Vorverarbeitung steigt auch die Umweltbelastung eines Produktes. Je stärker ein Lebensmittel verarbeitet ist, desto mehr Primärenergie wurde bei seiner Herstellung verbraucht und desto mehr Emissionen wurden dabei verursacht. Jeder Verarbeitungsschritt benötigt Energie und erzeugt Treibhausgase. Deshalb gilt: Dem Klima zuliebe möglichst wenig verarbeitete Lebensmittel kaufen.

Oft geht auch das Selberkochen einfacher und rascher: Ob man nun 15 Minuten für das Wärmen von Fertigspaghetti aus dem Packerl braucht oder gleich das Wasser aus dem Teekocher verwendet, frische Nudeln auskocht und im Topf daneben frischen Spargel mit etwas Öl und Kräutern anröstet, dazu frischen Käse reibt: Das Menü ist in weniger als ½ Stunde am Tisch – und schmeckt unvergleichlich besser!

Tipp: Auf www.rezepte.umweltberatung.at finden Sie viele Rezepte für die klimafreundliche Küche mit Zeitangabe. Bei der „Kühlschranksuche“ reichen 3 Zutaten für ein vollwertiges Essen und vieles davon geht blitzschnell!

Mit Bio das Klima schützen
Der Biolandbau verbraucht weniger Primärenergie und der Energieverbrauch pro Flächeneinheit in der Pflanzen- und Tierproduktion ist niedriger als bei der konventionellen Landwirtschaft. Dies macht den Biolandbau klimafreundlicher, aber nicht klimaneutral.

Biologische Lebensmittel stehen für Qualität, umweltschonende Produktion und Gentechnikfreiheit. Die biologische Landwirtschaft unterliegt strengen gesetzlichen Auflagen. Der Einsatz von Pestiziden ist verboten. Der Biolandbau verzichtet auf den Einsatz von energieaufwendigen, synthetischen Mineraldüngern und setzt stattdessen auf organische Dünger. Die Biolandwirtschaft in Österreich erspart der Umwelt jährlich 200.000 Tonnen an synthetischen Düngemitteln. Alleine dadurch werden beträchtliche Mengen an fossilen Energieträgern, also CO2-Verursachern, vermieden.

Bodenschutz ist Klimaschutz
Bodenschonende Landwirtschaft kann CO2-Emissionen in Boden und Pflanzen binden, indem durch gezielten Humusaufbau Kohlenstoff im Boden gespeichert und der Atmosphäre entzogen wird. Besonders im Biolandbau werden dafür spezielle Methoden angewendet, wie Anbau von Klee und anderen Hülsenfrüchten, Gründüngung, Bepflanzung der Felder im Winter, Düngung mit Stallmist und pfluglose Bodenbearbeitung.

Das Schweizer Forschungsinstitut für Biologischen Landbau (FiBL) stellte in einer Studie fest: Durch die ökologischen Methoden zur Erhöhung der Bodenfruchtbarkeit und des Humusgehalts kann um 12 bis 15 % mehr CO2 im Boden gebunden werden als bei anderen Landwirtschaftsformen. Weltweit könnten so 400 bis 800 Millionen Tonnen CO2 durch biologisch bewirtschaftete Böden aufgenommen werden.

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Überzeugen Sie sich von der klimafreundlichen Ernährung in der Klima-Aktions-Woche

© Franz Libal


Von 5. bis 12. Juni 2011 findet in Niederösterreich die Klima-Aktions-Woche statt. Viele Großküchen und Gastwirtschaften bieten aus diesem Anlass Klima-Menüs an und machen Lust auf einen genussvollen, klimafreundlichen Lebensstil. 

Aktion Klima-Menü
Die Hauptzutaten des Klima-Menüs sollten aus regionaler, saisonaler Produktion stammen, dh. Obst und Gemüse sollten aus Niederösterreich oder nahe gelegenen Regionen kommen. Bestenfalls kommen die Zutaten aus biologischer Landwirtschaft und wenn die Lebensmitteln nicht in der Region erzeugt werden können (Kaffee, Bananen, manche Tees,…), aus fairem Handel.

Tipps für Klima-Gourmets
Informieren Sie sich auf www.klimaaktionswoche.at, welches Lokal in Ihrer Nähe das klimafreundliche Menü anbietet und genießen Sie den „Klimaschutz mit Messer und Gabel“. Wer gerne zuhause kocht, findet auf www.rezepte.umweltberatung.at zahlreiche Rezeptideen für die umweltfreundliche Küche im Jahresverlauf, die Rezepte können nach Jahreszeit oder Zutaten abgerufen werden.

Tipps für Profiköchinnen und Profiköche:
Küchen-BetreiberInnen und GastronomInnen finden auf www.klimaaktionswoche.at zahlreiche Menüvorschläge und werden von "die umweltberatung" bei der Bekanntmachung ihrer Angebote unterstützt (Eintrag auf www.klimaaktionswoche.at, Infofolder etc.) Informationen zu diesem Service erhalten Sie bei "die umweltberatung" NÖ, Tel. 02742 718 29 und auf www.klimaaktionswoche.at.

Beispiel-Menüs
Ein viergängiges Klima-Menü könnte beispielsweise so aussehen:
▪ Kräutersuppe
▪ Spargelsalat mit Joghurt
▪ Mangold-Quiche
▪ Rhabarber-Erdbeer-Dessert

Oder:
▪ Sauerampfersuppe
▪ Bunter Salat mit Spargel und Hartkäse
▪ Forellenfilets mit Salbei
▪ Buchweizenpalatschinken mit Erdbeeren

Rezepte für Gastronomie und Großküchen finden Sie auf www.biokueche.at  

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Kurz gesagt: Die besten Tipps für einen klimafreundlichen Ernährungsstil

© BMLFUW / Newman

1. Genießen Sie gesund und biologisch.
2. Achten Sie auf die Herkunft und auf die Saison.
3. Kaufen Sie gering verarbeitete Lebensmittel und umweltschonend verpackte Produkte.
4. Bevorzugen Sie FAIRTRADE Produkte.

 regional, saisonal und biologisch genießen: So einfach ist die klimafreundliche Zauberformel!

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Literatur-Tipp: „Klimaschutz am Teller“

© ZVG

Die druckfrische Broschüre von "die umweltberatung" gibt Tipps für einen ökologischen Ernährungsstil. Sie wurde im Rahmen der Aktion „So schmeckt NÖ“ veröffentlicht und gibt Tipps für die klimafreundliche und genussreiche Küche im Jahresverlauf.

Zusammenhänge der Ernährungsökologie werden verständlich erklärt und es wird veranschaulicht, warum bestimmte Lebensmittel energie- und CO2-intensiver sind als andere.

Die Broschüre liefert Monat für Monat praktische Tipps für den kulinarischen Klimaschutz und natürlich viele Rezepte, die Lust aufs Ausprobieren machen.

Der Klimatipp für den Juni: Selbst gemachte Getränke haben viele Vorteile!

  • Keine künstlichen Aromen, Farb- und Konservierungsstoffe und weniger Zucker
  • Die eigene Ernte aus dem Garten kann sinnvoll verarbeitet werden, entweder mit dem eigenen Entsafter oder Sie lassen sich ihren Saft bei lokalen AnbieterInnen pressen – der Genuss mit dem Klima-Plus!
  • Selbst gemachte Säfte sind günstiger als gekaufte.
  • Mit einem eigenen Entsafter kann man rund ums Jahr aus Obst und Gemüse schmackhafte, vitaminreiche Säfte herstellen.

„Klimaschutz am Teller“: Die Broschüre ist bei "die umweltberatung" erhältlich und wird gegen Unkostenbeitrag (Porto plus Bearbeitungsgebühr) gerne zugeschickt: Tel. 02742 718 29 sowie im Online-Shop auf www.umweltberatung.at.

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Expertentipp zum Monatsthema

© ZVG

Klimafreundliche Ernährung
Dipl. Päd.in Petra Nemec, Ernährungsexpertin bei "die umweltberatung"

In Industrieländern kommen rund 20% der CO2-Emissionen aus dem Bereich Lebensmittel. Wir essen unser Leben lang mindestens 3-mal täglich und haben so in 85 Lebensjahren bei rund 93.000 Mahlzeiten die Möglichkeit eine gute Wahl für unser Klima zu treffen. Das Rezept für eine klimafreundliche Ernährung ist einfach und orientiert sich an folgenden Kriterien: „Regional, saisonal, biologisch & fair!“

Regional: Lebensmittel aus nahe gelegenen Regionen haben kürzere Transportwege und verursachen somit weniger klimaschädliche CO2-Emissionen. Wenn Sie Produkte bevorzugen welche nahe am Verkaufs- und Verbrauchsort produziert, verarbeitet, vermarktet und konsumiert werden, unterstützen Sie außerdem die Wertschöpfung in der Region.

Saisonal: Obst und Gemüse, das in unserer Klimazone während der jeweiligen Jahreszeit im Freiland ausreifen kann, enthält nicht nur mehr wichtige, gesunde Inhaltsstoffe (z.B. Vitamine), sondern es benötigt auch weniger Energie in der Produktion, da nicht beheizt werden muss. Noch dazu schmeckt es viel besser!

Biologisch: Biologisch produzierte Lebensmittel sind umwelt- und klimafreundlicher. Der Verzicht auf leicht lösliche Mineraldünger und chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel bedeutet weniger Energieaufwand. UND: schonend bearbeitete Böden mit einer guten Humusschicht können mehr CO2 aus der Luft binden.

Fair: Bei Kaffee, Tee und Schokolade und Obst & Gemüse aus Übersee, sollte man auf das FAIRTRADE Siegel achten. Der Kauf von fair gehandelten Lebensmitteln unterstützt ProduzentInnen in den so genannten Entwicklungsländern durch angemessenen Lohn für ihre Arbeit. So können diese eigenverantwortlich wirtschaften und ihre Existenz sichern.

Weitere Tipps für klimafreundliche Mahlzeiten
Neben der Herkunft und der Produktionsweise gibt es noch mehr Möglichkeiten für klimafreundliches Handeln beim Essen:

▪ Bevorzugen Sie öfters vegetarische Gerichte, denn dabei der Produktion pflanzlicher Lebensmittel entstehen weniger CO2-Emissionen als bei tierischen Lebensmitteln.
▪ Frisch von der Leitung statt aus der Flasche: Trinken Sie Leitungswasser – so sparen Sie Abfall, CO2 und eine Menge Geld.
▪ Einkaufsfahrten oder Kurzstreckenfahrten mit dem PKW verschlechtern die persönliche Klimabilanz. Umweltfreundlicher sind wenige Großeinkäufe statt viele Einzellfahrten mit dem Auto. Nutzen Sie öffentliche Verkehrsmittel oder gehen Sie ihrer Gesundheit zu Liebe öfters zu Fuß oder fahren mit dem Fahrrad.
▪ Auch beim Kochen können Sie einen Beitrag leisten: Deckel auf den Topf oder für heißes Wasser einen Wasserkocher verwenden. Haushaltsgeräte bergen ein großes Energieeinsparungspotential. Bevorzugen Sie beim Kauf von Kühlschränken, Tiefkühlschränken und Elektroherden Geräte mit der Energieeffizienzklasse A++ oder A+++.
▪ Viel zu Schade für den Müll: Tag für Tag landen in Österreich Tonnen von Lebensmitteln im Müll, obwohl viele Produkte noch genießbar wären. Vermeiden Sie das Wegwerfen von Lebensmitteln durch klugen Einkauf und Resteverwertung im Kochtopf.

Weitere Informationen, praktische Tipps und Rezepte zur klimafreundlichen Ernährung gibt’s in der Broschüre „Klimaschutz am Teller“. Bestellung bei "die umweltberatung" unter 02742 71829 oder www.umweltberatung.at

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